Die Gerüchte um das Modell der Razor Crest aus dem Hause Modbrix haben in den letzten Tagen teils groteske Züge angenommen und zu manchen Mutmaßungen geführt, teilweise war sogar von einem Konflikt die Rede. Die Aufklärung könnte dabei, wie nicht selten, völlig banale Gründe aufzeigen.
Ausgangspunkt der Diskussionen war die bereits auf den ersten Blick auffällige Ähnlichkeit zwischen der Variante des aus der Star-Wars-Serie „The Mandalorian“ stammenden Raumschiffes von Modbrix und der Version des Designers YCBricks, welcher die Bauanleitung zu seinem MOC auf Rebrickable für rund 13 US-Dollar anbietet. Auch wenn sich beide Modelle auf den zweiten Blick an einigen Punkten doch sichtbar unterscheiden, dürfte es unübersehbar sein, wer hier für wen Pate gestanden hat. Viele witterten bereits erneut eine unerlaubte Nutzung einer auf Rebrickable angebotenen Eigenkreation, welche durch die Aussage des Designers in den Kommentaren zu seinem MOC weiter Nahrung gegeben wurde: Auf den Hinweis auf die Variante von Modbrix mit der verbundenen Frage, ob der Händler seine Kreation gestohlen hätte, gab YCBricks an, von der Veröffentlichung nichts gewusst zu haben und sich mit Modbrix in Verbindung setzen zu wollen. Gegenüber dem Lego-Portal StoneWars.de gab YCBRicks heute Morgen auf Twitter die Einigung mit Modbrix an. Das Problem scheint sich also innerhalb von nur zwei Tagen gelöst zu haben.

Die Razor Crest von Modbrix sorgt für viel Verwirrung (Quelle: Modbrix)
Modbrix-Inhaber Michael Gaßmann versucht nun ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Im Gespräch mit Just.Bricks gibt dieser an, dass er im Januar mit der Idee eines Modells der Razor Crest auf seinen chinesischen Klemmbausteinlieferanten zugegangen ist mit dem Auftrag, ein entsprechendes Modell des Raumschiffes für ihn zu entwickeln – zu einem Zeitpunkt, an dem Lego erst einige Wochen später mit seinem Ausführung der Razor Crest im Rahmen der Spielzeugmesse in New York an die Öffentlichkeit treten wird.
Schnelle Einigung
Erst als das Unternehmen von YCBricks kontaktiert und auf die Problematik hingewiesen wurde, kamen Zweifel auf, dass es sich bei dem Modell wirklich vom eine Eigenentwicklung des Lieferanten handelt. Gaßmann gibt sich aber durchaus selbstkritisch, da er nicht von sich aus geprüft habe, ob es bereits ähnliche Modelle gibt. Anhand der von YCBRicks vorgebrachten Belege wurde deutlich, dass das Modell zu weiten Teilen auf seiner Kreation fußt, so Gaßmann. Dennoch betont Gaßmann, dass es ebenso deutliche Unterschiede gibt – so könne das Modell mit der Bauanleitung von YCBricks und den Steinen von Modbrix nicht gebaut werden, da manche Segmente doch unterschiedlich umgesetzt wurden. Wie groß diese am Ende tatsächlich sind, kann an dieser Stelle allerdings nicht beurteilt werden. Dennoch einigten sich beide Parteien schnell auf einen finanziellen Ausgleich, ebenso wird YCBricks ab sofort als Designer aufgeführt. So wird die Razor Crest nun im eigenen Online-Shop unter der Rubrik „Modbrix MOC’s“ geführt, welche bereits einige Bauwerke fremder Designer führt.

Die Razor Crest von YCBricks (Quelle: Rebrickable)
Auch zu den im Zuge der Diskussion und Berichterstattung aufkeimenden Gerüchten bezüglich der Markeneintragung Razor Crest bezieht Gaßmann Stellung: Seiner Aussage nach habe er im Januar die Marke angemeldet und somit ebenfalls deutlich vor der Bekanntgabe der Pläne einer eigenen Razor Crest seitens Lego. Einen Einfluss auf die Veröffentlichung des Modells hatte der Eintrag, welcher nicht nur für Deutschland, sondern ebenso für ganz Europa gilt, nicht. So konnte das Set jedoch unter dem bekannten Namen veröffentlicht werden, ohne rechtliche Probleme fürchten zu müssen – „Es handelt sich hierbei also um keine sogenannte bösgläubige Markenanmeldung“, wie Gaßmann klarstellt. Angst vor einem Shitstorm habe er deswegen ebenfalls nicht, im Gegenteil – Modbrix habe bisher sehr viel Zuspruch aus der alternativen Klemmbausteinszene für seine Vorgehensweise erfahren. Die, welche sich jetzt darüber beschweren „haben vorher nicht bei uns gekauft und werden auch zukünftig nicht bei uns kaufen“.
Keine rechtlichen Auseinandersetzungen
Ebenso gibt Gaßmann zu Protokoll, weder mit Lego, noch mit Amazon, noch mit Lucasfilm irgendwelche Rechtsstreitigkeiten zu führen – sich mit solchen großen Playern anzulegen sei in seinen Augen völlig unsinnig. In gleichem Licht erscheinen ihm die Vermutungen, das Lego aufgrund seiner Markeneintragung den Verkaufsstart der eigenen Razor Crest verschoben oder das Modell deswegen gar vom Markt genommen habe – dafür sieht er sein Unternehmen als viel zu klein und unbedeutend an. Er tippe eher auf Lieferengpässe als Konsequenz aus der aktuell weltweiten Corona-Situationen, welche sich an manchen Stellen langsam beruhigen, an anderen Stellen aber jetzt erst zutage treten. Diese Aussage deckt sich unter anderem mit der Verfügbarkeit anderer größeren oder mit Spannung erwarteten Sets: So soll das Modell der „Krokodil“ (10277) selbst bei Lego erst ab September wieder erhältlich sein. Ähnliches gilt für die neuen Technic-Modelle, welche zwar im Lego-Shop selbst verfügbar sind, viele kleinere Händler aber immer noch auf ihre Lieferungen warten.
3 Kommentare
noTbrick
Zitat: “…welche bereits einige Bauwerke fremder Designer führt.”
Genau, und warum werden da bei keinem anderen Set die Designer genannt?…vielleicht weil sie ebenso geklaut sind?
Beim “Battle on Hoth” ist es jedenfalls so, bei rebrickable ebenfalls in den Kommentaren nachzulesen. Winter GOT findet man ebenso nahezu 1:1 bei rebrickable. Geht auch alles auf die Kappe vom Hersteller und wurde zu wenig geprüft von Modbrix?…veräppeln kann ich mich selber sorry.
Daher kaufe ich Modbrix die Version mit dem Auftrag an den Hersteller, eine eigene Razor Crest zu designen, nicht ab…da wurde wohl eher sehr konkret der MOC in Auftrag gegeben, allenfalls mit paar Anpassungen ihrerseits oder vom Hersteller.
Auch wenn ich den StoneWars Artikel wenig berauschend fand, eine blütenweisse Weste steht Modbrix auch nicht unbedingt zu.
YCBRicks hatte einfach nur Glück, dass das Thema zumindest hierzulande infolge des “Namenskonflikts” paar Wellen schlug, sonst wäre er wohl ebenso unerwähnt/unvergütet geblieben, wie die anderen “fremden” Moccer auch bei Modbrix.
Norgrimm
“Erst als das Unternehmen von YCBricks kontaktiert und auf die Problematik hingewiesen wurde, kamen Zweifel auf, dass es sich bei dem Modell wirklich vom eine Eigenentwicklung des Lieferanten handelt.”
Das kann so nicht stimmen. YCBricks hat ja nach seinen auf Twitter getätigten Aussagen erst vor wenigen Tagen von der Sache erfahren und kann ja erst danach mit Modbrix Kontakt gesucht haben.
Jedoch gibt es im Youtube-Kanal “Brick Freaks”, von dem man aufgrund der vielen Vorab-Reviewexemplare von Modbrix annehmen muß, das eine hervorragende Vernetzung besteht, ein Video vom 12.07 über die Razor Crest, wo einerseits der MOC bei Rebrickable in der Videobeschreibung verlinkt ist und andererseits im Video gesagt wird (kein wörtliches Zitat), das Modbrix “keinen Hehl aus der Tatsache mache, das das Set auf dem MOC basiert”.
Was den nun?
noTbrick
Danke für die Ergänzung, das mit dem frühen YT-Review unterstreicht es meiner Meinung nach deutlich, wo/wie der Hase lief.
Nun gut, jetzt hat man sich ja offenbar gefunden und geeinigt, das ist erfreulich…dann sollte man aber auch genug Eier in der Hose haben und dazu stehen und nicht irgend ein “ich wusste von nix” auftischen und dem Hersteller den schwarzen Peter zuschieben und auf unschuldig machen. Habe kein Problem mit Modbrix oder sonst wem, aber offensichtlich für doof lasse ich mich dann doch ungern verkaufen.